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17.11.2015

Notfallmedizin am Lebensende –
Rechtssicherheit durch Vorsorgedialog?

Die Österreichische Gesellschaft für Ethik und Recht in der Notfall- und Katastrophenmedizin (ÖGERN) tagte im November 2015 in Salzburg zu „Notfallmedizin am Lebensende“. Dabei wurde klar herausgearbeitet, dass nach der österreichischen Rechtsordnung ein Arzt nicht verpflichtet ist, in einen bereits natürlich begonnenen Sterbeprozess eines Patienten durch lebensverlängernde Maßnahmen einzugreifen, sofern der Verlauf der Krankheit eine weitere Behandlung nicht sinnvoll erscheinen lässt (fehlende medizinische Indikation). Das Problem der präklinischen Notfallversorgung sei aber, dass sich in der Mehrzahl der Einsätze der Patient und das Behandlungsteam nicht kennen, sodass ein Mangel an Informationen sowohl zur Patientenausgangslage als auch zum Patientenwillen vorliegt. Der hinzu kommende Zeitfaktor mache eine ethisch reflektierte Entscheidung nahezu unmöglich, sodass bei unklarer Sachlage ein sofortiger Reanimationsbeginn die Regel darstellt. Doch es gibt mittlerweile Untersuchungen, dass Sanitäter und Notärzte mit dem Einleiten von Reanimationsmaßnahmen nicht immer gutes Tun, sondern in Einzelfällen auch Leid verursachen!

Um hier als Patient Grenzen setzen zu können, sieht die österreichische Rechtsordnung einige Vorsorgemöglichkeiten, wie etwa die Patientenverfügung oder die Vorsorgevollmacht, vor. Parallel dazu bemühen sich Hospizbewegungen in Österreich im Rahmen eines „Advance Care Planning“ gerade darum, einen Vorsorgedialog zu implementieren. Dabei handelt es sich um ein neues Kommunikationsinstrument, durch welches die Wünsche und Ziele von Personen im letzten Lebensabschnitt, aber auch für (vorhersehbare) lebensbedrohliche Krisensituationen erfragt und dokumentiert werden. In einem ersten Anlauf sollen derartige Gespräche standardisiert in Pflegeheimen eingeführt werden. Zentrale Fragen stellen dabei Sondenernährung, Reanimation, Bedingungen für Therapiezieländerungen und Hospitalisierungen als auch psychosoziale, soziale und spirituelle Bedürfnisse dar.

Der Vorsorgedialog stellt eine Orientierungshilfe dar und nimmt dem Betreuungsteam (Pflegepersonal, Sanitäter, Notarzt) keine Entscheidung ab. Wichtig ist, dieses Dokument nicht als einen „Freibrief“ für ein schnelles Sterben umzudeuten oder zu missbrauchen. Er soll dazu beitragen, dass im Falle eines vorhersehbaren Ablebens einer betreuten Person frühzeitig die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden (z.B. engmaschige Beiziehung von mobilen Palliativteams, palliativmedizinisch geschulten Ärzten), um in der eintretenden lebensbedrohlichen Krisensituation eine den Wünschen und der Indikation entsprechende Entscheidung treffen zu können!

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Therapiebegrenzungen stets in der ärztlichen Verantwortung liegen und im Rahmen einer vorausschauenden Planung im letzten Lebensabschnitt verschriftlicht vorliegen sollten („DNR“/ „AND“-Vermerk). Nach entsprechender ärztlicher Anordnung ist eine Therapiebegrenzung auch vom Pflegepersonal zu berücksichtigen. Da sich das Lebensende jedoch als ein dynamischer Prozess darstellt, sind Pflegepersonen bei nicht vorhersehbaren / nicht kontrollierbaren Symptomen berechtigt und verpflichtet, unverzüglich einen (Not)Arzt beizuziehen!

Die ÖGERN wird die gesamte Tagung samt all ihren Themen verschriftlichen. Der Tagungsband wird im Jänner 2016 im Neuen Wissenschaftlichen Verlag (NWV, Wien) erscheinen.

Text: Michael Halmich