News » Monitoring der Unterbringungen nach UbG in Österreich – aktueller Bericht publiziert

26.10.2019

Ziel des Monitorings der GÖG ist es, durch eine größere Transparenz und Vergleichbarkeit von Daten zu diesem sensiblen Versorgungsbereich einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsqualität für Patientinnen/Patienten zu leisten. Der regelmäßig organisierte strukturierte Austausch der relevanten UbG-Akteure und -Akteurinnen zu aktuellen Daten sowie anderen Aspekten der praktischen Anwendung des UbG soll ebenfalls zur Steigerung der Versorgungsqualität beitragen. Untersucht wird auch, ob die täglich gelebte Praxis den im Gesetz formulierten Regelungen folgt. Darüber hinaus soll ein besseres Verständnis über die vielseitigen Einflussfaktoren auf Unterbringungen hergestellt werden.

Ein Auszug aus der Zusammenfassung:

„Die Daten zeigen, dass die bevölkerungsbezogene Unterbringungsrate seit dem Jahr 2000 – mit einer kurzen Unterbrechung 2013 / 2014 – konstant gestiegen ist. Zwischen den Bundesländern bestehen große Unterschiede. Auffällig und besorgniserregend ist die Zunahme der bevölkerungsbezogene Rate untergebrachter Personen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Erfreulich ist die Abnahme der Anzahl an Unterbringungen, bei denen es zu zumindest einer Bewegungseinschränkung kommt. Der Anteil an Kurzunterbringungen hat über die Jahre zugenommen. Expertinnen/Experten berichten, dass die Gruppe der untergebrachten Personen über die Zeit heterogener geworden ist, u. a. aufgrund demografischer und sozialer Entwicklungen (z. B. hohe Anzahl an von Demenz betroffenen Personen), aufgrund veränderter Versorgungs- und Finanzierungsstrukturen (z. B. Verlagerung der stationären Versorgung in den ambulanten Bereich) sowie bedingt durch aktuelle Geschehnisse (z. B. die „Flüchtlingskrise“). Bei den untergebrachten Personen gibt es eine relativ geringe Anzahl, die besonders häufig untergebracht werden (öfter als 5 Mal) und/oder besonders lange Unterbringungsdauern aufweisen. Diese selbst sowie die mit ihnen im Austausch befindlichen professionellen Helfer/-innen sind stark gefordert. Kooperation und Vernetzung spielen bei Unterbringungen nach dem UbG eine zentrale Rolle, um die Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten Akteure zu optimieren und dadurch eine höhere Versorgungsqualität für die Patientinnen/Patienten zu gewährleisten. Heterogene Vorstellungen und Bilder, mangelndes Wissen über Zuständigkeiten bzw. Aufträge sowie vielfach unbekannte wechselseitige Erwartungen sind für alle herausfordernd. Dies zeigt sich z. B. bei der Abstimmung psychiatrischer und somatischer Versorgungsbereiche u. a. in Zusammenhang mit der Anwendung des HeimAufG oder bei der Abstimmung zwischen KJP und Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Nur teilweise existieren definierte Prozesse und Standards der Zusammenarbeit. Fehlzuweisungen medizinischer Art können wertvolle Zeit kosten und schwere gesundheitliche Implikationen haben. Für die Anwendung freiheitsbeschränkender Maßnahmen haben einige Standorte bereits Standards erarbeitet, auch die ÖGPP hat dazu Empfehlungen publiziert. Dennoch sind die Praktiken sehr unterschiedlich, u. a. bedingt durch Rahmenbedingungen wie Architektur, Personalschlüssel, Betten, aber auch durch Ausbildung oder Haltung des Personals. Schulungen in Deeskalation finden vielfach statt, allerdings je nach Standort sehr unterschiedlich (Ausmaß, Finanzierung). Bereits seit langem ist bekannt, dass vielerorts, insbesondere im ländlichen Bereich, ein Mangel an Amtsärztinnen/Amtsärzten besteht. In Hinblick auf das UbG ist das problematisch, da die Notfallprozedur (§ 9 Abs. 2) häufig zum Standard wird. Dieses Thema ist immer wieder Gegenstand der Expertengespräche. Auch gesellschaftliche Entwicklungen wirken auf die Psychiatrie bzw. die psychiatrische Versorgung und stellen diese vor (neue) Herausforderungen (u. a. demographische Entwicklungen, vermehrter Einsatz neuer Technologien, Abbau von Sozialschutzmaßnahmen, stärkere Diskussion von Datenschutz, zunehmende Unsicherheit und Individualisierung). In der Vergangenheit hat die Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen insbesondere die KJP gefordert. Sprachliche und kulturelle Aspekte sind aber auch vermehrt im Erwachsenenbereich Thema, Videodolmetschen wird stärker genutzt. Veränderungen im Arbeitszeitgesetz sowie Ausbildungsreformen (Ärzte-Gesetz, Gesundheits- und Krankenpflegegesetz) fordern einige Standorte beträchtlich, u. a. berichten Expertinnen/Experten von personellen Engpässen und befürchteten Qualitätseinbußen in der Versorgung. Gewalt und Aggression – sowohl gegenüber der Patientin / dem Patienten als auch gegenüber dem Personal – und damit verbundene Themen (u. a. Anwendung von Zwangsmaßnahmen, Beschränkungen, Erfassung von Aggressionsereignissen, Personalschulungen, architektonische Maßnahmen, Behandlungskonzepte, Einsatz von Security-Personal in Krankenhäusern, Videoüberwachung) werden vermehrt thematisiert.“

Im Bericht finden sich konkrete Empfehlungen und weitere Details zu den oben angeführten Aussagen.

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Quelle:
Gesundheit Österreich GmbH / GÖG (Link)